Protektionismus moderner Staaten: neue Logik in der Ära geoökonomischer Konkurrenz
Der moderne Protektionismus unterscheidet sich von seinem historischen Äquivalent im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts darin, dass es sich nicht nur um eine Reihe von Tarifen zur Schutz der "kindlichen" Branchen handelt. Dies ist eine komplexe, mehrstufige und strategische Politik, tief integriert in nationale Modelle innovativer Entwicklung, Sicherheitssicherung und des Wettbewerbs um technologische Führerschaft. Sein Hauptmotiv hat sich von der reinen wirtschaftlichen Vorteile einzelner Branchen zu geostrategischer und geoökonomischer Konkurrenz verschoben, insbesondere im Bereich hochmoderner Technologien und der Sicherstellung der Lieferkettengerechenschaft (Resilience).
Entwicklung der Ziele: von Industrie zu Sicherheit und Souveränität
Der klassische Protektionismus (z.B. in den USA oder Deutschland am Ende des 19. Jahrhunderts) zielte darauf ab, eine nationale Industrie zu schaffen. Der moderne Protektionismus verfolgt breitere Ziele:
Sicherung technologischer Souveränität und Führerschaft. Länder streben an, kritische Technologien (künstliche Intelligenz, Quantencomputing, Halbleiter, Biotechnologie) zu schützen und zu entwickeln, die als Grundlage wirtschaftlicher und militärischer Macht im 21. Jahrhundert angesehen werden. Protektionismus hier ist ein Instrument des Techno-Nationalismus. Beispiel: Der US-Gesetz über Chips und Wissenschaft (CHIPS and Science Act, 2022) mit einem Budget von 280 Milliarden Dollar zielt darauf ab, die Produktion von Halbleitern in die USA zu lenken und direkt die Empfänger von Subventionen bei Investitionen in fortschrittliche Technologien in "besorgniserregenden Ländern" wie China zu begrenzen.
Schaffung robuster Lieferketten. Die Pandemie COVID-19 und der Logistikkrise haben die Anfälligkeit globaler Lieferketten offengelegt. Der moderne Protektionismus nimmt oft die Form des "freundlichen Standorts" (friend-shoring) oder des Re-reshoring an ...
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